triosence Scorpio Rising

08-SR
  • Veröffentlichung:

    30. August 2019 (SONY Music, OKeh Records)

  • Besetzung:

    piano Bernhard Schüler

    bass Omar Rodriguez Calvo

    drums Tobias Schulte

  • Produzent:

    Bernhard Schüler

  • Recording Info:

    Aufgenommen, gemischt und gemastert im Artesuono Studio in Udine, Italien von Stefano Amerio (7.1.-10.1.2019)

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In den letzten Jahren habe ich eine Faszination für Astrologie entdeckt. Viele Songs des Albums, sogar der Titel spiegeln das wider. Mein ganzes Leben hatte ich dieses Feld als Unsinn, gar als Anti-Wissenschaft abgestempelt. Jedoch haben mich meine persönlichen Erfahrungen, Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen über die Jahre und eigene Beobachtungen in diesem Bereich dazu veranlasst von diesem Vorurteil abzulassen. Mir wurde bewusst, dass es sich dabei um eine uralte Tradition handelt, die auf jahrhundertelanger Beobachtung bestimmter Muster basiert. Sie sieht uns Menschen nicht als isoliertes und vom Universum abgetrenntes Individuum, sondern vielmehr als einen auf unzählige Weisen damit verbundenen Teil und stellt unser Leben in Relation zum Kosmos um uns herum.
Es scheint, dass nur der von allem losgelöste und ich-bezogene menschliche Verstand, sich als dieses völlig freie Geschöpf begreift, dass weder von der Zeit, dem Ort und allen anderen Umständen beeinflusst sein kann, die zum Zeitpunkt seiner Geburt gegenwärtig waren. Unser Verstand ist zu Unglaublichem in der Lage und kann weit über unsere irdischen Grenzen hinaus reichen – unsere Gedanken sind frei. Nichtsdestotrotz können wir nicht abstreiten, dass wir als Menschen Teil dieser Welt sind und mit diesem unfassbaren Gesamt-Organismus auf eine Art verbunden sind, die wir nicht vollständig begreifen können. Genauso wenig erkennen wir unseren Platz in all dem und welche Faktoren letztendlich Einfluss auf uns haben.
Mir erscheint es daher ziemlich logisch, dass in einer so miteinander verwobenen Welt, der individuelle Ort, wann und wo wir in sie treten, durchaus Einfluss hat oder bestimmt wie und wer wir sind.
In unserer westlichen Welt ist unser Sein sehr von Absolutismen und Materialismus gepräg. Etwas ist entweder richtig oder falsch, existiert oder existiert nicht. Nur was wir sehen, anfassen und erklären können ist wirklich. Dabei verlassen und verehren wir die Wissenschaft, als ob sie die ultimative Antwort auf alle Fragen geben kann. Aber anscheinend weiß selbst die Wissenschaft bislang nur recht wenig über das Wesen unserer Wirklichkeit. Die Wissenschaft sagt sogar selbst, dass 80 Prozent des Universums aus sogenannter “Dunkler Materie“ bestehen. Das sind 80 Prozent wovon die Wissenschaft bislang absolut keine Ahnung hat, was es ist, was aber da sein muss. Es ist nun interessant, dass wir unser gesamtes Wissen auf lediglich 20 Prozent stützen und uns unserer Sache dabei so sicher sind, während 80 Prozent von „allem“ für uns noch ein absolutes Geheimnis bleiben.

Vielleicht wird die Wissenschaft eines Tages eine wissenschaftliche Erklärung oder auch einen völlig anderen Grund für die beobachteten Muster entdecken, wie sie die Astrologie beschreibt.
Wie dem auch sei, ich persönlich finde es einen schönen Gedanken, dass wir alle auf so tiefgreifende Weise mit dem Universum verbunden sind und dass unsere Persönlichkeit zu einem gewissen Teil in dieser ganz individuellen Verknüpfung damit wurzelt. Dieser Gedanke fasziniert mich nach wie vor und hat die Inspiration für viel der Musik auf diesem Album geliefert.

Hierbei möchte ich es belassen. Ich versuche nicht, irgendjemanden von irgendetwas zu überzeugen. Vielmehr ermutige ich jeden dazu, nach eigenen Antworten zu suchen und den ganz eigenen Weg um Sinn für sich selbst zu finden.

Betrachtet man die Musik ist es ziemlich genau das Gleiche: Es gibt so viel verschiedene Musik „da draußen“, genauso wie es unterschiedliche Ideen oder Theorien in der Wissenschaft, der Politik, der Religion oder sonst wo gibt. Es mag überall bestimmte „Mainstreams“ geben oder Richtungen, die mehr Anerkennung finden als andere, aber in der Musik wird deutlich, dass es dabei kein Richtig oder Falsch gibt –  eben nur „unterschiedliche Wege“.

Mit triosence haben wir einen davon vor 20 Jahren beschritten. Wir kamen zu vielen Weggabelungen. Mal sind wir links, mal rechts abgebogen, und oft wussten wir nicht wohin. Aber wir sind uns treu geblieben und einfach immer weitergegangen. Mittlerweile, denke ich, wissen wir recht gut, wer wir sind und worin unsere Stärke liegt. Trotzdem bin ich der festen Überzeugung, dass es unzählige verschiedene Wege gibt und eben nicht den einen „richtigen“.
Also lasst uns Respekt haben gegenüber „anderen Wegen“, anderen Perspektiven, gegenüber neuen Ideen genauso wie gegenüber den Traditionen. Alle sind vermutlich ein Puzzleteil zum großen Ganzen.

Bernhard Schüler, März 2019

Fotos der Recordingsession von Scorpio Rising in Italien...